Franz Neff 90 Jahre
Zum 90. Geburtstag von Franz Neff
Fachlehrer im Ruhestand
„Unter den Fittichen des Staates“
oder
Ein mächtiger Stamm
von Johann Burger
Ab einem gewissen Alter erreichen dich, stets rascher folgende Abschiedsnachrichten mit denen man noch nicht gerechnet
hatte. Dabei fällt einem stets ein, was hätte ich diesem Menschen noch alles sagen wollen, und was hätten wir noch alles
gemeinsam unternehmen (wollen) können. Doch selbst gegen dieses Erkennen, handelt man einfach so weiter wie bisher. Ja,
nicht selten wird sogar die empfundene Wehmut. dem unentrinnbaren Zeitverlauf geopfert. Jetzt ist eine gute Gelegenheit.
Diesmal will ich einige Gedanken an Landsmann und Freund Franz aus Ulm zu seinem 90.Geburtstagrichten, ihm im
eigenen und im Namen seiner Landsleute und Freunde, Gottes Segen wünschen.
Franz Ewald Neff wurde am 26. Oktober 1936 in Saderlach geboren im Haus Nr.72. Sein Vater Franz Neff fiel in
Stalingrad 1942 als Soldat der Rumänischen Armee, Mutter Maria Schmalz konnte noch Franz begleiten, verstarb 2014 in
Ulm. Soweit die amtlichen Zahlen, aus denen man ja schon den weiteren Verlauf eines Lebens erahnen kann. Sein erster
Lehrer war der bekannte Saderlacher (de Isele vo Saderlach) Schuldirektor Andreas Eisele, ab Mitte der 2. Klasse die
Nonnen, Eisele war nach Rußland deportiert worden, bei der Verschleppung nach Rußland. Es folgten 2 Jahre am
rumänischen Gymnasium in Neuarad, ab 1948 in der deutschen Schule. 1950 bestand er dennoch gut die Aufnahmeprüfung
an die Deutsche Pädagogische Lehranstalt Arad wo er bis Juni 1952 studierte. Kurz vor der Prüfung, wurden die 5
Saderlacher Eleven u.a. aufgefordert die Päda zu verlassen (sunt „pui de chiaburi“): Franz Neff, Josef u. Hans Pinkhardt,
Theresia Eisele u. Hans Weiss. Lediglich der Volksrat in Saderlach hat „vorbildlich kommunistisch“ gehandelt, eine
Heldentat (importierte rumänische Neukolonisten, Günstlinge u. Oportunisten) der neuen Klasse. Auf einen rettenden Wink
des Klassenleiters Eisele (ab 1952 wieder Lehrer) konnten sie 1955 die DPLA absolvieren. Allerdings war das Schicksal
schon gnadenlos: Neff u. Eisele, sowie Beller (Pankratz Beller, der Gründer der DPLA) waren den Genossen bekannte
Namen: Zeitung „Extrapost“ in Temeswar, die Neffs in Arad u. Neuarad Dr. jur. Notar u. ung. Minister, Dr.med, Neuarad , in
Temeswar Schwester „Aquinata“ Orden der Armen-Schulschwestern Leiterin der Ordensschulen usw.
Franz Neff hatte ein großes intellektuelles Erbe angetreten. Tanten und Onkeln erwarteten einen selbstlosen Einsatz.
Junglehrer Franz Neff wurde nach Grabatz entsandt, es ergab sich aber später ein Tausch, so kam der frisch gebackene
Russisch Lehrer nach Schöndorf (15. Oktober 1955). Hier lernte er seine spätere Ehefrau (1958) Elisabeth kennen (Schulz
(*1929 – 2026 Ulm). Unvergessen für jeden Beteiligten der berühmte Ruf zur Armee: Nov.1956 - Nov.1958 Militärdienst
bei Hunedoara (TRL „tirnăcop, roabă, lopată“ = Spitzhacke, Schubkaren, Schaufel). Ein beliebter Arbeitseinsatz der für
mitwohnende völkische Minderheiten, oder auch missliebige Zeitgenossen galt, vorwiegend aber bei Lehrern und anderen
obskuren Intellektuellen liebevoll angewandt. Nach dem Militärdienst konnte er weiter in Schöndorf unterrichten. Freudig
begrüßt wurden die Kinder: Sohn Berthold (1960) und die Tochter Diethilde (1964). Bevor wir schwenken muß ich noch
selbst gestehen, daß ich meine Abneigung zur russischen Sprache nicht überwinden vermochte. Denn auch meine Mutter
war 4 Jahre lang bei den Aufbauarbeiten im Sowjetreich beteiligt (Gruben, Fabrik, Rübenfelder u.a) Sie hat es gut überlebt,
viele aber nicht, oder kamen schwer krank heim. Dennoch muß ich gestehen, daß ich dies heute sehr bedauere, denn die
Sprache kann ja nichts dafür. Gerne - versuche es auch immer wieder - würde ich ihre schöne melodischen Laute hören und
sagend empfinden. Überrascht hat mich, beim Durchforsten der Leben der 80 Absolventen der Arader Päda, ähnliche
Aussagen zur russische Sprache zu lesen.
Das kleine Bändchen über die Päda ist sehr aufschlußreich (v. Saderl. Irmgard Eisele, Neff, Pinkhardt, Weiss
u.a.)mitgestaltet. Was erschütternd als Bilanz zu erkennen ist: Über 80% der Absolventinnen und Absolventen versuchten
einen neuen Lebensabschnitt in Deutschland zu starten, meistens erfolgreich, doch mit enormen Startschwierigkeiten. Ja der
berühmte Fachkräfte Mangel. Deshalb auch das typische Beispiel aus dem Leben der Familie Neff.
Lehrer Franz Neff begann (1966-70) sein Fernstudium Geschichte u. Erdkunde an der PH in Temeswar, unterrichtete aber
weiterhin im Simultanunterricht, in Erwartung auf eine baldige freie Planstelle.
ZitateTexte von Franz Neff in“Intermezzo“ DLPA Selbstverlag2004“
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„Vom Schuljahr 1975 an hatte die deutsche Abteilung der Allgemeinschule Schöndorf keine 5.Klasse mehr, da durch
Auswanderung nur noch 13 statt der vorgeschriebenen15 Schüler für die Klasse vorhanden waren. Deshalb wechselte meine
Frau an eine frei gewordene Stelle für Mathematik an der Allgemeinschule in Guttenbrunn, ihrem Geburtsort. Sodann folgte
ich ihr, am 1. September 1977 nach Guttenbrunn, da dort durch Auswanderung eine Stelle für Geschichte und Erkunde frei
geworden war. Im Mai 1980 fuhr meine Frau zur Beerdigung ihres Vaters nach Deutschland und kehrte nicht mehr heim.
Daraufhin wurde ich am Anfang des Schuljahres 1981/82, wie 40 andere deutsche Lehrer auch, wegen Ausreiseantrag aus
dem Schuldienst entlassen. Wir können laut Buchstabe „e“ des Arbeitsvertrages keine sozialistische Erziehung mehr leisten,
da wir in ein kapitalistisches Land ziehen wollen, hieß es in der Entlassungsurkunde…..
Erst am 6. Dezember 1982, nach 2 ½-jähriger Trennung. Konnte ich zusammen mit meiner Tochter ... ausreisen. Unser
Sohn, der inzwischen geheiratet hatte. Durfte erst am 5. Oktober 1983 ausreisen.
Nachdem ich kaum zwei Monate in Ulm war, erhielt ich eine Einladung zum Vorstellungs-gespräch ins Justizgebäude.
Natürlich war es keine Schule, sondern ein Bewährungsheim, wo ich unterrichten sollte. Der Heimleiter wollte die
arbeitslosen Straftäter wenigstens den halben Tag von der Straße haben. So unterrichtete ich sie in allen Fächern, damit sie
einen Abschluss erhalten und eine Lehre beginnen können…… nach einem Jahr verließ ich dieses Heim, um meine
Anerkennung für den staatlichen Schuldienst in Angriff zu nehmen.
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Es folgte: Deutschkurs in Murnau..2 Kolloquien an PH Reutlingen: Geschichte/Erdkunde .
Hospitationen, Probestunden,Lehrauftrag an die Anna-Essinger Realschule in Ulm(1984).
Gerade in diesen Jahren gründeten wir Spät-Heimgekehrten die HOG Saderlach (1983). Bald war Franz dabei und stand
auch sofort bereit zum Mittun. In den Vorstand gewählt, saß er immer neben mir und wurde ein zuverlässiger Schriftführer,
der unsere wilden Reden in sanfte Texte umwandelte. Stets bedächtig, aber ohne Scheu auch mal fragend aufblickend (naij,
des chunt nitt ins Protokoll, des seget mir halt so, unter uns!), sinnhaft, vernünftig und wahrheitsgemäß. Jeder Saderlacher
wusste, wenn der Franz dabii isch, no chann mer sii druff verlosse, im ernscht!
Wenn er an den Schriften mitarbeitete kamen die Antworten stets promt und termingerecht.
Lieber Franz, die Saderlacher kennet Di alle, mir sinn auch sehr stolz uff Dii, isch guet Dii dort dabii zu wisse. Du warst
kein Begünstigter des Schicksals, doch stets bemüht in jeder noch so verzweifelten Lage, Verantwortung zu übernehmen.
Dein beständiger Einsatz bleibt uns als Mahnung, Du hast die Erwartungen Deiner Ahnen wohl getreulichst erfüllt und
weitergeführt. Bleibe bei halbwegs erträglicher Gesundheit und hüte Deinen gesunden Verstand. Schenke uns gelegentlich
ein kleines Zeichen Deines Da-Seins.
Ich wurde beauftragt Dir im Namen von Franz Winterhalter, dem Vorsitzenden der HOG und des gesamten Vorstandes alles
Gute zum 90. Geburtstag zu wünschen. Möge Gottes Güte Dich beschützen und Dir noch viele schöne Stunden, Tage und
Jahre schenken (auch wenn der Abschied von Elisabeth erst vor Wochen Dich traf, bei mir sinn´s jetzt scho 5 Joohr).
Mir aber, lieber Franz erlaube daß ich Dir in die Augen blicke und Dich umarme, wie gerne würde ich neben Dir sitzen
(zwei alte Wittwer deren Zeit so schnell vergangen ist) und das Allein-Sein erleben. Und nach dem Mahle würd ich mit Dir
den Kelch trinken. Prost Franz !
Bleibe so, wie wir Dich erleben durften.
Dein Freund Johann Burger, ehem. Redmann der Saderlacher
qd. Hans Hausenstein-Burger